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(Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung, 3. Januar 2002)

Feuerwerk der Extraklasse

Kulturnetz präsentierte "Souvenirs, Souvenirs"
mit Ted Herold


Stehende Ovationen am Ende eines fast dreistündigen Abends, und der tosende Beifall wollte kein Ende nehmen. Die Gala-Ausgabe der im September 1998 Premiere feiernden 50er-Jahre-Kult-Revue "Souvenirs, Souvenirs" des Kulturnetz Mannheim-Ludwigshafen ist auch wirklich nur mit Superlativen zu beschreiben, und kaum jemand wollte an diesem mit 2300
Besuchern ausverkauften Abend im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens daran denken, dass dies wirklich der letzte Auftritt in der Quadratestadt von Peter Baltruschat und Co. gewesen sein soll.
Sicherlich ist diese Revue auch ohne Stargäste allein schon sehenswert, überträgt sie doch mit Musik, Tanz, Original-Tondokumenten und –Werbespots den Geist dieser als Wirtschaftswunder bezeichneten Zeit derart eindrucksvoll auf das Publikum, dass sich dieses sofort in die 50er Jahre zurückversetzt fühlt (Die Original-CD ist übrigens beim Kulturnetz unter 0621-1224887 erhältlich). Doch als an diesem Abend mit der Mannheimer Liedermacherin Joana, dem Jazzer Jochen Brauer und Altrocker Ted Herold drei extra Showblöcke in die musikalische Zeitreise integriert wurden, wurde dieser Ausflug in manchereins Jugendzeit noch einmal getopppt.
Klasse, wie etwa Joana den Song ihres Kindheitsidols Catharina Valente (Spiel noch einmal für mich, Habanero" oder Bruce Lows ("Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand") interpretierte, wie die dem "Sentimental Journey" – die Mannheimer kennen es nur unter "Mamme guck, do vorne, do liegt en Kippe" flugs zwei selbst gereimte Strophen über eine Radarfalle bzw. das Handyverbot beim Autofahren anfügte.
Jochen Brauer, der sich Gott sei Dank wieder von einem im Sommer erlittenen Stromschlag erholt hat, brillierte als Saxophonist insbesondere mit dem unverwüstlichen "Peter Gunn", dem "Pink Panter" – Thema oder dem legendären "Kriminaltango", heftig beklatscht darüber hinaus seine deutsche Version von Frank Sinatras "My Way" ("So leb´ dein Leben").
Und weil sich diese Stimmung auch auf die Revue-Solisten Peter Baltruschat (Bariton), Frank Landua (Tenor), Anette Kienzle (Alt) und Simone Pohl (Sopran) übertrug, fand, schließlich der im nächsten Jahr 60. Geburtstag feiernde Ted Herold, den unsere Altvorderen in jener Zeit despektierlich den "Zitteraal" nannten. ("Es wird Zeit, dass der Junge mal zur Bundeswehr kommt"), ein gut bestelltes Feld vor.
Natürlich schluchzte der rank, schlank und ja, meine Herren, äußerst gelenkig Gebliebene wie annodunnemals bei "Moonlight" den Mond an, doch die Post ging schließlich bei "Talismann", der deutschen Fassung von Elvis Presleys "Goodluck charme", sowie "Ich bin ein Mann", "1:0", "Carolin" oder als Höhepunkt "Da Doo Ron Ron" ab. Da schwenkt Herold wie damals den Mikrophonständer, lässt er lasziv das Becken kreisen.
Doch auch dieser Abend wäre sicherlich nicht zu solch einem Erlebnis geworden, wenn nicht die Begleitung durch die fünfköpfige Wolf-Mayer-Band so perfekt geklappt hätte. Zwar immer still im Hintergrund, doch ungeheuer stilecht und wirkungsvoll agierten diese Vollblutmusiker und rundeten neben den vier Damen und zwei Herren des Souvenirs-Tanzensembles diesen rundum gelungenen Abend meisterlich ab. Das überraschende Feuerwerk am Ende war dann sozusagen das Sahnehäubchen. Chapeau!

Von Hans-Joachim Heinz


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