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(Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung, 10. Oktober 1998)

Weil die Mimi ohne Krimi nie ins Bett geht...

Spritzig-frech-gefühlvoller musikalischer Cocktail beliebter Schlagermelodien –
"Souvenirs, Souvenirs" feierte umjubelte Premiere


"Wunderschön, wie schön der Abend war, wir danken euch dafür" – mit diesem Lied sprach das brillante Ensemble der 50er-Jahre-Revue "Souvenirs, Souvenirs" dem begeisterten Premierenpublikum in der restlos ausverkauften "Alten Feuerwache" so richtig aus dem Herzen. Fast drei Stunden beste Unterhaltung waren wie im Flug vergangen; man hätte diesem spritzig-frech-gefühlvollen musikalischen Cocktail beliebter Schlagermelodien aus einer bewegten Zeit noch stundenlang zuhören können. Oder wie es ein echter "Mannemer Bu" sagen würde: "Es war arg schää!"
Wenn jemand wie der von der tollen Revue wirklich verzauberte Schreiber dieser Zeilen in den wilden, verrückten und turbulenten fünfziger Jahren das Licht der Welt erblickt hat, in einem Jahrzehnt mit TV, Nierentisch, Petticoat und dem nagelneuen "Leukoplastbomber", für den ist diese Revue mehr als nur verträumte Nostalgie. Es sind wieder zum Leben erweckte Erinnerungen an ein neues Lebensgefühl, an einen Zeitgeist, der in jeder dieser unvergesslichen, wunderschönen, mal schwungvollen, mitreißenden, dann wieder furchtbar "herrlich" schnulzigen Melodien zum Ausdruck kommt.
Präsentiert wird dieser sehens- und hörenswerte Spaziergang durch das Nachkriegsdeutschland vom KulturNetz Mannheim-Ludwigshafen, informativ ergänzt durch eine Foto-Ausstellung von Altmeister Ottheinrich Hauck und seiner Tochter Bettina. Kulturbürgermeister Lothar Mark, der sich mit seiner Frau Brigitte besonders für das Projekt engagiert hat, eröffnete denn auch gerne die begleitende Fotoschau.
Serviert werden die Schlager-Souvenirs unter der kreativen Regie der Amerikanerin Marty Beck und der musikalischen Leitung von Joe Völker, der mit einer Spitzenband für guten Ton sowie optimale musikalische Begleitung sorgte, einem faszinierenden Gesangsquartett und einer hinreißenden Tänzerin. Die rassige Kalliope Eberhardt bezaubert ebenso als verführerische Bauchtänzerin wie als kesses Bikini-Girl oder leidenschaftliche Tango-Schöne. Zwei bezaubernde Ladies mit ausdrucksvollen Stimmen, das sind die blonde Altistin Nicole Metzger – die "Stimme der Wolf-Kaiser-Big-Band (alternierend mit "Voice Company"- Sängerin Anna Krämer) und die musicalerfahrene Sopranistin Simone Pohl (im Wechsel mit der OTM-"Zarah" Claudia Domjanic). An ihrer Seite, nicht nur mit Gesangskunst sondern auch mit komödiantischem Talent (dies gilt für die gesamte Truppe), zwei starke Herren: der Kopf und Gesamtleiter der Revue, Bariton und Allroundkünstler Peter Baltruschat, und Tenor Frank Landua (der böse Horrorladen-Zahnarzt, der sich mit dem klassischen Tenor Andreas Barth abwechselt).
Sie laden mit ihren Evergreens zum Mitträumen und Mitsingen ein, verpacken sie in kleine Szenen, mit Kommentaren versehen, und im Werbeblock mit amüsanten Original-Spots von damals wird der Zeitgeist besonders deutlich spürbar.
Der Schlagerreigen beginnt mit den Eingeborenen von Trizonesien, denen es immer besser geht, eine Braut wird gesucht, und sieben Mal in der Woche liegt was in der Luft. Die Reise führt mit Chianti-Wein und zwei kleinen Italienern zu Marina, der Habanero spielt noch einmal wo meine Sonne scheint, und ganz Paris träumt in der großen Masusefalle von der Liebe und singt "Bonsoir, Bonsoir". Die Bauchtanzgruppe aus "Käfertal" heizt den Herren Scheichs im Café Oriental ein, und nach der Pause wird die Badehose ebenso eingepackt wie der Itsi-Bitsy-Teenie-Weeni-Honolulu-Strandbikini, bevor es mit dem Süßen zum Segeln geht und ein Schiff kommen wird, während die Mutter in der Blauen Nacht am Hafen auf den Jungen wartet, der mit seiner Gitarre bald wiederkommen wird, der weiße Holunder erblüht, und die Pärchen, die zwei Spuren im Schnee hinterlassen, träumen von der weißen Hochzeitskutsche. Beim Kriminaltango wird es spannend, weil Mimi ohne Krimi nie ins Bett geht, und die Rock´n´Roll-Fans setzen sich gegen das alte Schnulzenpärchen durch, so dass einer ausgelassenen Party mit Elvis nichts mehr im Wege steht. Wenn der weiße Flieder wieder blüht, ziehen die Capri-Fischer hinaus, und nach "La-Le-Lu" freuen sich alle auf ein baldiges Widersehen.

Von Dieter Augstein


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